2010-02-03 16:19:00

Ungleiche Förderung der Bio-Energie jetzt korrigieren

Die vergangenen Jahre waren geprägt von einer extremen Preissteigerung der Rohware für die obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitende Industrie. Diese Preissteigerungen hatten ihre Ursache nicht zuletzt in der Flächenkonkurrenz zwischen Energiepflanzen und Lebensmitteln, die durch eine einseitige Förderung des Anbaus von Energiepflanzen mitverursacht wurde.

So fördert insbesondere das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) die Erzeugung von Biogas aus nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo); die Verstromung organischer Reststoffen aus der Obst-, Gemüse- und Kartoffelverarbeitung hingegen wird – obgleich ökologisch höchst sinnvoll – nicht gefördert. In der Konsequenz verfestigen sich neue, ineffiziente Agrarstrukturen zum Nachteil der Verarbeiter von Obst, Gemüse und Kartoffeln:

  • Durch die heute im EEG festgelegte Förderpolitik zu Gunsten von Biogasanlagen auf Basis nachwachsender Rohstoffe (NawaRo-Bonus) wird Biogas-Mais immer mehr zur Konkurrenz für den Nahrungspflanzenanbau. Auch im Jahr 2010 werden in vielen Landkreisen wieder zahlreiche Anlagen gebaut.
  • Regional, besonders im Nordwesten von Niedersachsen, beträgt der Anteil Biogas-Mais an der Ackerfläche schon über 30%, in der Spitze bis zu 50%. Dieser hohe und immer noch wachsende Anteil ist für 20 Jahre festgeschrieben. Dadurch sind in den letzten Jahren die Flächenpreise stark gestiegen und werden weiter steigen. Für die Nahrungsmittelproduktion können diese Pachtpreise nicht gezahlt werden. Außerdem schadet eine Fruchtfolge mit hohem Maisanteil dramatisch der Qualität des Rohstoffs Kartoffeln für die Verarbeitung und menschliche Ernährung.
  • Da in den europäischen Nachbarstaaten der Anbau nachwachsender Rohstoffen für die Energiegewinnung nicht in gleichem Maße gefördert wird, kommt es zu starken Wettbewerbsverzerrungen in der Nahrungsmittelwirtschaft. Gewachsene Wirtschaftszweige in Deutschland, die im europäischen Markt bisher wettbewerbsfähig waren, werden so durch ein hoch subventioniertes Produkt akut gefährdet.

Die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag im Oktober 2009 festgelegt, dass bei der Biomasse-Verstromung organische Reststoffe gegenüber nachwachsenden Rohstoffen stärker gewichtet werden sollen.

Die im Jahre 2011 anstehende Überprüfung des Erneuerbare Energien Gesetzes kommt jedoch zu spät! Mindestens bis dahin werden unter den jetzigen Förderbedingungen weitere Anlagen gebaut. Deshalb müssen die Förderung der Verstromung direkt erzeugter nachwachsender Rohstoffe und die Förderung der Verstromung organischer Reststoffe sofort aneinander angeglichen werden.