2006-07-13 13:17:00

Anti-Dumping-Untersuchung zu den Importen von tiefgefrorenen Erdbeeren aus China

Die Verarbeiter von tiefgekühlten Erdbeeren haben große Sorgen über einen wirtschaftlich ungünstigen Ausgang der aktuellen Anti-Dumping-Untersuchung zum Import von tiefgekühlten Erdbeeren aus China. Ergebnis des Verfahrens muss die Erhaltung eines funktionierenden Marktes sein. Staatliches Eingreifen durch Anti-Dumping-Maßnahmen ist nicht gerechtfertigt.

Die Position des BOGK lässt im wesentlichen wie folgt zusammenfassen:

  1. Anti-Dumping-Maßnahmen würden die Verarbeiter von TK-Erdbeeren in der EU nachhaltig schädigen
    • Anti-Dumping-Zölle entscheiden über Gewinn und Verlust Hersteller von Konfitüren und Fruchtzubereitungen schließen in der Regel mehrjährige Kontrakte mit ihren Kunden im Lebensmitteleinzelhandel und in der Milch- und Eiskremindustrie ab. Die Marktmacht der Kunden verhindert dabei Nachverhandlungen, selbst bei nachträglich eintretenden Preiserhöhungen. Anti-Dumping-Zölle könnten daher nicht auf die Preise überwälzt werden. Selbst relativ geringe Zölle führen aber schon zu einer Erodierung der Wirtschaftlichkeit; bei einem Anti-Dumping-Zollsatz von 20% arbeitet ein durchschnittlicher Konfitürenhersteller bereits mit Verlust.
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    • Durch Anti-Dumping-Zölle würde eine wichtige Rohstoffquelle versiegen Während polnische und spanische Produzenten die Hauptlieferanten für tiefgekühlte Erdbeeren sind und ca. 80 % des Bedarfs der Industrie decken, reicht die angebotene Menge innerhalb der EU objektiv nicht aus, um die Nachfrage der Industrie zu decken. Die Industrie importiert daher zusätzliche Mengen vor allem aus China und Marokko. Durch Anti-Dumping-Maßnahmen würde der Import von tiefgekühlten Erdbeeren aus China unrentabel, so dass ein wichtiger Rohstofflieferant nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Es ist unwahrscheinlich, dass die benötigten Mengen in anderen Drittländern – und insbesondere in der EU – kontrahiert werden könnten, besonders in Jahren schlechter Ernten wie 2002, 2003 und 2006. Die Eliminierung Chinas als Marktteilnehmer würde des Weiteren die monopolartige Stellung Polens als Anbieter von Tiefkühlerdbeeren verstärken. In Jahren mit knappen Ernten konnte Polen ohnehin schon – auch weil seine Erntesaison klimabedingt nach allen anderen Ländern liegt – hohe Preisaufschläge über den sonst üblichen Marktpreisen durchsetzen.
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    • Die EU kann nicht alle benötigten Sorten anbieten Ohne chinesische Importe wären Hersteller von Konfitüren und Fruchtzubereitungen in Deutschland und der EU nicht in der Lage, weiter nach ihren bisherigen Rezepturen herzustellen. Je nach Sorte und Präferenz der Verbraucher sind die Hersteller auf Rohware angewiesen, deren Charakteristika eigentümlich für das jeweilige Herstellerland sind. Während der Großteil der benötigten Erdbeeren der Sorte Senga Sengana aus Gründen der Qualität nur in Polen bezogen werden kann, gibt es einen kleineren, aber wirtschaftlich bedeutenden Teil der Rohware, der aus Drittländern, insbesondere aus China, bezogen werden muss.
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    • Anti-Dumping-Maßnahmen würden die internationale Wettbewerbsfähigkeit beschädigen Ein nicht unerheblicher Teil der Produktion von Konfitüren und Fruchtzubereitungen wird in Drittländer exportiert. Diese Exporte wären unter Bedingungen erhöhter Einfuhrzölle infolge von Anti-Dumping-Maßnahmen gegenüber Produkten aus Drittländern, etwa den USA, nicht mehr konkurrenzfähig. Auch die Konkurrenzfähigkeit von EU-Produkten gegenüber Importen von Konfitüren und Fruchtzubereitungen aus Drittländern in die EU würde gefährdet.
    In der Konsequenz würde ein starker Anreiz für deutsche und europäische Unternehmen bestehen, Produktion in Drittländer außerhalb der EU auszulagern.

     
  2. Chinesische Importe verursachen keinen wirtschaftlichen Schaden bei den Erdbeerherstellern Im Gegensatz zu den von den polnischen Erdbeerherstellern im Anti-Dumping-Antrag genannten Wirkungen chinesischer Importe sehen wir keine Schädigung der Antragsteller. Unter den Bedingungen eines generell schwankenden Rohstoffmarktes entstehen Preise durch Zusammenspiel von Erntemengen, Lagermengen und Nachfrage. Die von den Antragstellern beklagten niedrigen Preise im Jahr 2005 waren kein Resultat chinesischer Einfuhren, sondern eines Angebotsdrucks aufgrund von hohen Lagermengen, die Polen im Jahr 2004 aufgebaut hatte. Umgekehrt waren die hohen Einfuhren aus China im Jahr 2003 nicht Ergebnis eines offensiven Marktverhaltens der chinesischen Anbieter, sondern notwendige Ersatzlieferungen für die Industrie, die aufgrund der Dürre in Europa nicht genügend Rohware aus Polen beschaffen konnte. Die Tatsache, dass China im Durchschnitt etwas billiger anbot als Polen, hängt in erster Linie mit den geringeren Qualitäten und anderen Sorten aus China zusammen. Infolgedessen waren Angebotsmengen aus China und Polen sowie die Marktpreise generell stets Ergebnis eines funktionierenden Marktes.