04.11.2015

Sauerkraut und Rotkohl werden knapp

Die diesjährige Produktion von Sauerkraut und Rotkohl ist in Gefahr. Wie der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie in Bonn mitteilt, rechnen Bauern und Unternehmen europaweit mit erheblichen Ernteausfällen. Je nach Anbaugebiet — in Deutschland liegen die größten Flächen in Dithmarschen, nordwestlich von Hamburg, rund um Stuttgart sowie in Niederbayern — liegen die Erträge um bis zu 55 Prozent unter den Erwartungen. Grund ist die über lange Zeit unpassende Wasserversorgung, wobei es im Norden zu nass und im Süden zu trocken war.

In diesen Anbauregionen in Deutschland liegt das Angebot unter der Nachfrage:

  • in Dithmarschen um bis zu 40 %
  • in Nordbayern um 40 bis 55 %
  • in Niederbayern und Württemberg um 30 bis 40 %
  • im Rheinland um 20 %

In der Folge können die Bauern ihre Verpflichtungen aus dem Vertragsanbau mit den Verarbeitern nicht erfüllen. Diese wiederum passen ihre Produktionsprogramme an die Erntesituation an. Das heißt: Auch die Herstellung von Rotkohlkonserven und Sauerkraut wird eingeschränkt.

Verschärft wird die knappe Marktlage durch eine gleichzeitig ungewöhnlich hohe Nachfrage nach Weißkohl aus Osteuropa, vor allem aus Ungarn und Polen. Extrem gestiegen ist auch der Bedarf für Rotkohl, denn in Österreich etwa ist die gesamte Ernte ausgefallen. Importeure konkurrieren daher derzeit mit den heimischen Verarbeitern um die knappen Erntemengen. Während es üblicherweise zum Ende der Ernte hin einige frei verfügbare Mengen gibt, herrscht in diesem Jahr ein krasses Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage.

Preissteigerungen für Kohl und Kraut könnten eine logische Folge sein. Auf dem freien Markt jedenfalls ist der Preis für Weißkohl bereits auf das Drei- bis Vierfache des Vertragspreises gestiegen. Freier Rotkohl ist, soweit vorhanden, doppelt bis dreifach so teuer wie Vertragsware.