25.10.2016

Nationale Alleingänge bei der Herkunftskennzeichnung - Quo vadis Europa?

Für die europäische Lebensmittelindustrie war der 22.11.2011 ein äußerst wichtiger Tag. An diesem Tag wurde bekanntlich die sog. Lebensmittelinformations-Verordnung nach mehrjähriger Vorbereitung endlich im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht.

Die Verordnung hat für alle 28 Mitgliedsstaaten der EU ein einheitliches Kennzeichnungsrecht gebracht. Dies bedeutet im Alltag nicht nur einen wesentlichen Vorteil für die Verbraucher, sondern natürlich auch für die Lebensmittelproduzenten.

Gleichzeitig wurde die EU-Kommission verpflichtet zu noch offenen Fragen im Nachgang der Veröffentlichung entsprechende Berichte vorzulegen. Dies hat sie u. a. zum Thema der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung von primären Zutaten bei verarbeiteten Lebensmittel getan. Sie hat eine solche Verpflichtung mit guten und richtigen Argumenten abgelehnt. Und trotz teils anderer Auffassung im Europäischen Parlament bleibt die EU-Kommission bis heute bei ihrem Standpunkt. So weit so gut!

Umso verwunderlicher ist jedoch die Tatsache, dass die EU-Kommission den einzelnen Mitgliedsstaaten in Fragen der Herkunftskennzeichnung völlig freie Hand lässt. So unlängst in Frankreich und aktuell in Italien und Litauen. So weit so schlecht!

Geht die EU-Kommission diesen Weg der nationalen Alleingänge unbeirrt weiter, hängt der europäische Gedanke – der im Bereich der Lebensmittelkennzeichnung durch die Lebensmittelinformations-Verordnung eine gute Basis gefunden hat – an einem sehr seidenen Faden.