
Die Rolle von Konserven und Trockenprodukten für die Ernährungsnotfallvorsorge
Ob Blackout, geopolitische Verwerfungen oder Naturkatastrophen – die Notfallvorsorge rückt zunehmend ins Bewusstsein vieler Menschen. Ein wichtiger Teil davon: Konservendosen, Gläser und Trockenprodukte. Denn wenn frische Lebensmittel fehlen, braucht es Produkte, die auch unter widrigen Bedingungen verfügbar bleiben.
Der BOGK – die Vertretung der rund 120 Betriebe der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie in Deutschland – wendet sich mit folgenden Empfehlungen an den Gesetzgeber, mit dem Ziel die Versorgung der Bevölkerung im Krisenfall zu optimieren.
Private Vorsorge
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe rät zur Anlage eines Notvorrats, der u. a. folgendes enthalten soll:
- 3,5 kg Brot, Kartoffeln, Nudeln, Reis,
- 4 kg Gemüse und Hülsenfrüchte in Dosen oder Gläsern,
- 2,5 kg Obst in Dosen oder Gläsern
- sowie u. a. Kartoffelbrei, Fertiggerichte usw. nach Belieben.
Der BOGK nimmt dazu wie folgt Stellung.
Ideale Ergänzung einer vielfältigen Ernährung
Alle sterilisierten oder pasteurisierten Konserven sind eine ideale Ergänzung zu Grundnahrungsmitteln wie Nudeln oder Reis. Empfehlenswert sind zudem trockene Fertiggerichte wie Brühen, Suppen, Saucen, Desserts, Püree oder Knödel, die mit Hilfe eines ohnehin notwendigen Wasservorrats schnell zubereitet werden können und für Abwechslung sorgen.
Ideale Lagerfähigkeit
Obst- und Gemüsekonserven sind im Mittel zwei bis drei Jahre lagerfähig. Trockene Fertiggerichte haben in der Regel eine Haltbarkeit von vielen Monaten und können bei richtiger Lagerung auch noch mehrere Monate oder sogar Jahre über das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) hinaus bedenkenlos verzehrt werden.
Hoher Gehalt an Nährstoffen und Vitaminen
Nährstoffe und Vitamine bleiben in Konserven generell gut erhalten. Abgesehen von der Alternative Tiefkühllagerung, die in Krisenzeiten wegen der energetischen Seite ausfällt, gibt es keine bessere Art der dauerhaften und schonenden Konservierung.
Nährstoffe und Vitamine in Trockenfertiggerichten bleiben bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) weitgehend erhalten und bauen sich zwar auf Dauer ab, jedoch nur minimal.
Preisentwicklungen für Konserven
Preise von Konserven entwickeln sich zwar in Abhängigkeit von der Erntelage, sind aber preistechnisch weitgehend stabil. Um Hamsterkäufe und leere Regale im Krisenfall zu vermeiden, sollte ein Vorrat von Konserven und trockenen Fertiggerichten schrittweise aufgebaut werden, denn bei einer plötzlichen Erhöhung der Nachfrage ist mit deutlich steigenden Preisen zu rechnen.
Im Normallfall stabile Versorgung
Die meisten Konserven werden lokal produziert und sind mehr von europäischen Witterungseinflüssen beeinflusst als von der globalen Lage. Gemüse, Obst und Kartoffeln werden saisonal meist unmittelbar nach der Ernte verarbeitet, so dass die Hersteller und Einzelhändler mit hohen Beständen arbeiten, mit denen Verwerfungen in den Lieferketten zumindest für eine gewisse Zeit überbrückt werden können.
Staatliche Notfallvorsorge
In der Bundesrepublik Deutschland hat die Bundesregierung aus versorgungspolitischen Gründen staatliche Nahrungsreserven angelegt. Im Rahmen der nationalen Krisenvorräte, für deren Ein- und Verkauf sowie Kontrolle die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zuständig ist, lagern die Zivile Notfallreserve und die Bundesreserve Getreide.
Die zivile Notfallreserve besteht aus Reis (Lang- und Rundkorn), Hülsenfrüchten (Erbsen und Linsen) sowie aus Kondensmilch. Die Bundesreserve Getreide besteht aus Brotgetreide (Weizen, Roggen) und Hafer. Je nachdem, wie viele zu verpflegende Personen und welche Tagesration pro Person unterstellt werden, reichen die Vorräte, je nach eingelagertem Produkt, zwischen wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen.
Anregung des BOGK
Der BOGK spricht sich dafür aus, auch Obst- und Gemüsekonserven sowie getrocknete Kartoffelprodukte in die Zivile Notfallreserve aufzunehmen.Kartoffelprodukte sollten auch der Bundesreserve Getreide hinzugefügt werden. Auf diese Weise würde die private Vorsorge optimal ergänzt, um die Versorgung im Krisenfall im Hinblick auf Nährstoffe und eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen.
Der BOGK bietet an, dass die Lagerung der Reserven zum Teil bei den Herstellern selbst erfolgen könnte. So wäre eine unkomplizierte Lagerhaltung und schnelle Belieferung auf den üblichen Versorgungswegen sicherzustellen.